16. Juli, 2026
WISSENSCHAFT
Kurz erklärt
Viele pflanzliche Arzneimittel sind wissenschaftlich untersucht und ihre Anwendung wird durch pharmakologische Forschung, klinische Studien und die Bewertung unabhängiger Fachgremien gestützt. Allerdings ist die wissenschaftliche Evidenz nicht für alle Heilpflanzen gleich stark. Während einige Phytopharmaka umfassend erforscht wurden, ist die Datenlage bei anderen begrenzt. Deshalb muss jedes pflanzliche Arzneimittel individuell nach Qualität, Wirksamkeit und Sicherheit bewertet werden.
1. Sind pflanzliche Arzneimittel wissenschaftlich belegt?
2. Was bedeutet wissenschaftliche Evidenz?
3. Wie werden pflanzliche Arzneimittel wissenschaftlich untersucht?
4. Welche Studien gibt es zu pflanzlichen Arzneimitteln?
5. Wissenschaftlich belegte oder traditionelle Anwendung – wo liegt der Unterschied?
6. Unterschied zwischen klinischen Studien und Pflanzenmonographien
7. Welche pflanzlichen Arzneimittel sind besonders gut untersucht?
8. Wer bewertet die wissenschaftliche Evidenz?
Ob pflanzliche Arzneimittel wissenschaftlich belegt sind, gehört zu den häufigsten Fragen rund um die Phytotherapie. Viele Menschen verbinden Heilpflanzen vor allem mit traditioneller Pflanzenheilkunde oder überlieferten Hausmitteln und fragen sich, ob ihre Wirkung tatsächlich wissenschaftlich nachgewiesen wurde. Die Antwort lautet: Für viele pflanzliche Arzneimittel liegen heute umfangreiche wissenschaftliche Erkenntnisse vor. Wie gut ein Präparat belegt ist, hängt jedoch immer von der jeweiligen Heilpflanze, der verwendeten Zubereitung und dem vorgesehenen Anwendungsgebiet ab.
Moderne pflanzliche Arzneimittel werden nach denselben wissenschaftlichen Grundprinzipien untersucht wie andere Arzneimittel. Forschende analysieren ihre Inhaltsstoffe, untersuchen mögliche Wirkmechanismen und prüfen in klinischen Studien, ob ein Präparat bei bestimmten Beschwerden wirksam und sicher ist. Die Ergebnisse werden anschließend von unabhängigen Fachgremien bewertet und regelmäßig anhand neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse überprüft.
Dabei ist wichtig zu verstehen, dass pflanzliche Arzneimittel keine einheitliche Produktgruppe darstellen. Zwei Präparate können zwar aus derselben Heilpflanze hergestellt werden, sich aber hinsichtlich Extraktionsverfahren, Zusammensetzung oder Dosierung deutlich unterscheiden. Deshalb lassen sich Ergebnisse einer Studie nicht automatisch auf alle Produkte derselben Pflanze übertragen.
Die moderne Phytotherapie verbindet jahrhundertealtes Wissen über Heilpflanzen mit den Methoden der evidenzbasierten Medizin. Traditionelle Erfahrungen liefern häufig wichtige Hinweise auf mögliche Anwendungsgebiete, wissenschaftliche Studien überprüfen anschließend, ob sich diese Wirkungen unter kontrollierten Bedingungen bestätigen lassen.
Die Frage „Sind pflanzliche Arzneimittel wissenschaftlich belegt?“ lässt sich deshalb nicht pauschal mit Ja oder Nein beantworten. Wissenschaftlich beurteilt wird immer das einzelne Arzneimittel beziehungsweise der konkret untersuchte Pflanzenextrakt. Entscheidend sind die Qualität der Studien, die Nachvollziehbarkeit der Ergebnisse und die Bewertung durch unabhängige wissenschaftliche Institutionen.
Der Begriff wissenschaftliche Evidenz beschreibt, wie zuverlässig die Wirksamkeit und Sicherheit eines Arzneimittels durch wissenschaftliche Untersuchungen belegt sind. Dabei reicht eine einzelne Studie nicht aus. Erst die Gesamtheit hochwertiger Forschungsergebnisse ermöglicht eine fundierte Bewertung.
In der evidenzbasierten Medizin werden verschiedene Arten wissenschaftlicher Untersuchungen berücksichtigt. Laborstudien liefern erste Erkenntnisse darüber, welche biologischen Eigenschaften ein Pflanzenextrakt besitzt. Sie zeigen beispielsweise, ob bestimmte Inhaltsstoffe entzündungshemmende, antioxidative oder krampflösende Eigenschaften aufweisen. Solche Ergebnisse erklären mögliche Wirkmechanismen, erlauben jedoch noch keine Aussage darüber, ob ein Arzneimittel beim Menschen tatsächlich wirksam ist.
Aussagekräftiger sind klinische Studien, bei denen ein pflanzliches Arzneimittel unter kontrollierten Bedingungen an Menschen untersucht wird. Besonders zuverlässig gelten randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudien. Durch dieses Studiendesign lassen sich Einflüsse minimieren, die das Ergebnis verfälschen könnten.
Noch belastbarer wird die wissenschaftliche Evidenz, wenn mehrere hochwertige Studien zu vergleichbaren Ergebnissen gelangen. Diese werden in systematischen Übersichtsarbeiten zusammengefasst und häufig zusätzlich in Metaanalysen statistisch ausgewertet. Dadurch entsteht ein möglichst vollständiges Bild der vorhandenen wissenschaftlichen Erkenntnisse.
Wissenschaftliche Evidenz ist jedoch kein unveränderlicher Zustand. Neue Forschungsergebnisse können bestehende Erkenntnisse bestätigen, erweitern oder in einzelnen Punkten auch korrigieren. Deshalb überprüfen Fachgesellschaften und Arzneimittelbehörden ihre Bewertungen regelmäßig und passen sie bei Bedarf an den aktuellen Forschungsstand an.
Ziel
Grundlage
Besonders aussagekräftig
Bewertung
Ergebnis
Nachweis von Wirksamkeit und Sicherheit eines Arzneimittels
Laborforschung, klinische Studien und systematische Übersichtsarbeiten
Randomisierte kontrollierte Studien und Metaanalysen
Gesamtheit aller verfügbaren wissenschaftlichen Daten
Einordnung von Nutzen und Risiken
Die wissenschaftliche Untersuchung pflanzlicher Arzneimittel beginnt bereits bei der Auswahl der Heilpflanze. Forschende müssen zunächst eindeutig festlegen, welche Pflanzenart und welcher Pflanzenteil verwendet werden. Blätter, Blüten, Wurzeln oder Früchte enthalten oft unterschiedliche Inhaltsstoffe und können deshalb nicht beliebig ausgetauscht werden.
Im nächsten Schritt analysieren Wissenschaftler die chemische Zusammensetzung der Pflanze. Sie untersuchen, welche Inhaltsstoffe enthalten sind und in welchen Mengen sie vorkommen. Gleichzeitig wird geprüft, ob das Pflanzenmaterial frei von Verunreinigungen wie Schwermetallen, Pestizidrückständen oder Mikroorganismen ist. Diese Qualitätskontrolle bildet die Grundlage für eine reproduzierbare Herstellung pflanzlicher Arzneimittel.
Eine besondere Bedeutung kommt der Herstellung standardisierter Pflanzenextrakte zu. Moderne Phytopharmaka werden nach genau festgelegten Verfahren hergestellt, sodass ihre Zusammensetzung möglichst konstant bleibt. Nur dadurch können Ergebnisse wissenschaftlicher Studien zuverlässig auf das untersuchte Präparat übertragen werden. Bei nicht standardisierten Pflanzenprodukten oder vielen Nahrungsergänzungsmitteln ist eine solche Vergleichbarkeit häufig nicht gegeben.
Anschließend untersuchen Forschende die pharmakologischen Eigenschaften des Extrakts. Laborversuche liefern Hinweise darauf, wie einzelne Pflanzenstoffe oder das gesamte Vielstoffgemisch auf biologische Prozesse wirken. Sie können beispielsweise zeigen, ob ein Extrakt entzündungshemmende, beruhigende, schleimlösende oder antioxidative Eigenschaften besitzt. Solche Untersuchungen helfen dabei, mögliche Wirkmechanismen zu verstehen, ersetzen jedoch keine klinischen Studien am Menschen.
Erst klinische Studien können zeigen, ob sich die erwarteten Wirkungen bei Patientinnen und Patienten tatsächlich nachweisen lassen. Dabei werden ein genau definierter Pflanzenextrakt, eine festgelegte Dosierung und ein bestimmtes Anwendungsgebiet untersucht. Gleichzeitig erfassen die Forschenden mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln.
Die wissenschaftliche Begleitung endet nicht mit der Zulassung eines Arzneimittels. Auch nach der Markteinführung werden neue Studien veröffentlicht und Verdachtsfälle unerwünschter Wirkungen dokumentiert. Diese Erkenntnisse fließen kontinuierlich in die Bewertung durch Arzneimittelbehörden und wissenschaftliche Fachgremien ein.
Die Untersuchung pflanzlicher Arzneimittel umfasst somit weit mehr als den Nachweis einzelner Pflanzenstoffe. Entscheidend ist, dass ein klar definierter Extrakt in einer geeigneten Dosierung unter wissenschaftlichen Bedingungen geprüft wird. Nur so lässt sich zuverlässig beurteilen, ob ein pflanzliches Arzneimittel bei einem bestimmten Anwendungsgebiet wirksam und sicher eingesetzt werden kann.
Die wissenschaftliche Bewertung pflanzlicher Arzneimittel stützt sich nicht auf eine einzelne Untersuchung, sondern auf das Zusammenspiel verschiedener Studienarten. Jede liefert einen eigenen Beitrag dazu, die Wirksamkeit, Sicherheit und Qualität eines Präparats zu beurteilen. Erst die Gesamtheit der verfügbaren Daten ermöglicht eine fundierte wissenschaftliche Einordnung.
Den Anfang bilden häufig Laborstudien. Sie untersuchen die Inhaltsstoffe einer Heilpflanze und analysieren, wie einzelne Pflanzenstoffe oder ein Pflanzenextrakt auf Zellen, Enzyme oder andere biologische Prozesse wirken. Solche Untersuchungen liefern wichtige Hinweise auf mögliche Wirkmechanismen, können jedoch nicht belegen, dass ein Arzneimittel beim Menschen tatsächlich wirksam ist.
Darauf folgen präklinische Untersuchungen, die zusätzliche Erkenntnisse über Wirkungen und mögliche Risiken liefern. Für den medizinischen Wirksamkeitsnachweis sind jedoch vor allem klinische Studien entscheidend. Dabei wird geprüft, ob ein pflanzliches Arzneimittel unter kontrollierten Bedingungen die erwartete Wirkung bei Patientinnen und Patienten zeigt. Besonders aussagekräftig sind randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudien. Sie gelten als Goldstandard der klinischen Forschung, weil sie mögliche Verzerrungen weitgehend ausschließen.
Liegen mehrere hochwertige Studien zu einer Fragestellung vor, werden ihre Ergebnisse in systematischen Übersichtsarbeiten zusammengefasst. Sind die Untersuchungen ausreichend vergleichbar, können sie zusätzlich in einer Metaanalyse statistisch ausgewertet werden. Dadurch entsteht ein umfassenderes Bild der wissenschaftlichen Evidenz als durch einzelne Studien allein.
Neben diesen Untersuchungen spielen auch Beobachtungsstudien eine Rolle. Sie zeigen, wie sich ein Arzneimittel unter Alltagsbedingungen bewährt und welche Erfahrungen Ärztinnen, Ärzte sowie Patientinnen und Patienten im praktischen Einsatz machen. Für den Wirksamkeitsnachweis besitzen sie jedoch eine geringere Aussagekraft als kontrollierte klinische Studien.
Studien zu pflanzlichen Arzneimitteln kommen nicht immer zu identischen Ergebnissen. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass häufig unterschiedliche Pflanzenextrakte untersucht werden. Selbst wenn dieselbe Heilpflanze verwendet wird, unterscheiden sich Extraktionsverfahren, Dosierungen, Behandlungsdauer oder die Zusammensetzung der Studienteilnehmenden. Dadurch lassen sich Ergebnisse verschiedener Untersuchungen nicht immer unmittelbar miteinander vergleichen. Fachgremien bewerten deshalb grundsätzlich die Gesamtheit aller verfügbaren wissenschaftlichen Daten und stützen ihre Empfehlungen nicht auf
Laborstudien
Präklinische Forschung
Klinische Studien
Systematische Übersichtsarbeiten
Metaanalysen
Beobachtungsstudien
Untersuchung von Inhaltsstoffen und Wirkmechanismen
Erkenntnisse zu Wirkung und Sicherheit vor Studien am Menschen
Nachweis von Wirksamkeit und Verträglichkeit beim Menschen
Zusammenfassung aller verfügbaren Studien
Statistische Gesamtauswertung mehrerer vergleichbarer Studien
Erfahrungen aus der medizinischen Praxis
Entscheidend ist dabei nicht nur die Anzahl der Studien, sondern vor allem ihre Qualität. Mehrere methodisch hochwertige Untersuchungen liefern in der Regel wesentlich belastbarere Aussagen als zahlreiche kleinere Studien mit wissenschaftlichen Schwächen.
Nicht jedes pflanzliche Arzneimittel muss denselben wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweis erbringen. Das europäische Arzneimittelrecht unterscheidet deshalb zwischen pflanzlichen Arzneimitteln mit wissenschaftlich belegter Anwendung und traditionell angewendeten pflanzlichen Arzneimitteln.
Für Arzneimittel mit einer allgemein anerkannten medizinischen Verwendung (Well-established Use) liegen veröffentlichte wissenschaftliche Daten vor, die Wirksamkeit und Sicherheit ausreichend belegen. Grundlage sind in der Regel klinische Studien, pharmakologische Untersuchungen sowie eine langjährige medizinische Anwendung.
Daneben existieren traditionelle pflanzliche Arzneimittel. Für sie ist keine umfassende klinische Evidenz erforderlich. Stattdessen muss nachgewiesen werden, dass die jeweilige pflanzliche Zubereitung über einen langen Zeitraum medizinisch verwendet wurde und dabei als ausreichend sicher gilt. In der Europäischen Union wird hierfür in der Regel eine mindestens 30-jährige medizinische Anwendung verlangt, davon mindestens 15 Jahre innerhalb der EU.
Traditionell registrierte Arzneimittel dürfen ausschließlich bei leichten Beschwerden eingesetzt werden, die keiner ärztlichen Überwachung bedürfen. Ihre Registrierung bedeutet daher nicht, dass ihre Wirksamkeit im gleichen Umfang durch klinische Studien belegt wurde wie bei wissenschaftlich untersuchten Arzneimitteln.
Beide Kategorien unterliegen jedoch strengen Anforderungen an Qualität und Sicherheit. Der wesentliche Unterschied besteht darin, auf welcher Grundlage die jeweilige Anwendung wissenschaftlich bewertet wird.
Klinische Studien vorhanden
Wirksamkeit wissenschaftlich bewertet
Umfangreiche wissenschaftliche Literatur
Bewertung anhand klinischer Evidenz
Langjährige medizinische Erfahrung
Plausible Wirkung aufgrund traditioneller Anwendung
Nachweis einer mindestens 30-jährigen medizinischen Verwendung
Registrierung nach den Vorgaben für traditionelle Arzneimittel
Diese Unterscheidung ist für Verbraucher besonders wichtig. Sie zeigt, dass nicht jedes pflanzliche Arzneimittel auf derselben wissenschaftlichen Grundlage bewertet wird, obwohl beide Produktgruppen hohen Qualitätsstandards entsprechen.
Klinische Studien und Pflanzenmonographien verfolgen unterschiedliche Ziele und ergänzen sich gegenseitig. Beide spielen eine zentrale Rolle bei der wissenschaftlichen Bewertung pflanzlicher Arzneimittel, werden im Alltag jedoch häufig miteinander verwechselt.
Eine klinische Studie untersucht immer ein genau definiertes pflanzliches Arzneimittel oder einen standardisierten Pflanzenextrakt. Ziel ist es festzustellen, ob dieses Präparat bei einer bestimmten Erkrankung wirksam und sicher ist. Die Ergebnisse beziehen sich ausschließlich auf die untersuchte Zubereitung und können deshalb nicht automatisch auf andere Produkte derselben Heilpflanze übertragen werden.
Pflanzenmonographien fassen dagegen den aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand zu einer Heilpflanze zusammen. Unabhängige Fachgremien bewerten sämtliche verfügbaren Daten aus Laborforschung, klinischen Studien, toxikologischen Untersuchungen und gegebenenfalls auch aus der traditionellen Anwendung. Auf dieser Grundlage werden Empfehlungen zu Anwendungsgebieten, Dosierungen, Gegenanzeigen, Warnhinweisen und Nebenwirkungen formuliert.
Zu den wichtigsten wissenschaftlichen Monographien gehören die europäischen Monographien des Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC) sowie die Monographien der European Scientific Cooperative on Phytotherapy (ESCOP). Sie dienen Ärztinnen, Ärzten, Apothekerinnen, Apothekern und Zulassungsbehörden als wissenschaftliche Orientierung.
Klinische Studien liefern somit neue wissenschaftliche Erkenntnisse, während Monographien diese Erkenntnisse bewerten, zusammenführen und in einen medizinischen Gesamtkontext einordnen. Sie bilden damit eine wichtige wissenschaftliche Grundlage der Phytotherapie.
Nicht alle Heilpflanzen sind gleichermaßen intensiv erforscht. Während zu einigen Pflanzen nur wenige klinische Untersuchungen vorliegen, wurden andere seit Jahrzehnten in zahlreichen wissenschaftlichen Studien untersucht. Für diese Heilpflanzen existieren umfangreiche pharmakologische Daten, klinische Studien und wissenschaftliche Bewertungen internationaler Fachgremien.
Zu den am besten untersuchten Heilpflanzen gehört beispielsweise Johanniskraut. Standardisierte Extrakte wurden in zahlreichen Studien bei leichten bis mittelschweren depressiven Episoden untersucht. Ebenfalls gut erforscht ist Ginkgo biloba, insbesondere im Zusammenhang mit bestimmten kognitiven Beschwerden und Durchblutungsstörungen.
Auch Baldrian, Lavendel, Thymian, Efeu, Pfefferminze, Kamille, Passionsblume und Pelargonium sidoides gehören zu den wissenschaftlich am besten untersuchten Heilpflanzen. Dennoch unterscheidet sich auch innerhalb dieser Pflanzen die Evidenz je nach Extrakt, Dosierung und Anwendungsgebiet.
Johanniskraut
Ginkgo
Baldrian
Lavendel
Thymian
Efeu
Kamille
Pfefferminze
Leichte bis mittelschwere depressive Episoden
Bestimmte kognitive Beschwerden
Schlafstörungen und nervöse Unruhe
Innere Unruhe und Angstzustände
Produktiver Husten
Husten und Bronchialbeschwerden
Entzündungen und Magen-Darm-Beschwerden
Funktionelle Verdauungsbeschwerden
Wissenschaftliche Ergebnisse gelten grundsätzlich nur für die jeweils untersuchte Zubereitung. Ein standardisierter Johanniskraut-Extrakt aus einer klinischen Studie ist daher nicht automatisch mit jedem beliebigen Heilpflanzenpräparat vergleichbar. Unterschiede bei Extraktionsmittel, Herstellungsverfahren oder Dosierung können die Zusammensetzung eines Arzneimittels erheblich beeinflussen und damit auch seine wissenschaftliche Bewertung.
Deshalb beziehen sich klinische Studien und Monographien stets auf genau definierte Pflanzenextrakte. Diese Standardisierung gehört zu den wichtigsten Voraussetzungen moderner Phytopharmaka und ermöglicht überhaupt erst eine verlässliche wissenschaftliche Bewertung.
Die Ergebnisse wissenschaftlicher Studien werden nicht allein von den Forschenden selbst beurteilt. Unabhängige Fachgremien und Arzneimittelbehörden prüfen regelmäßig die gesamte verfügbare Studienlage, bewerten deren Qualität und leiten daraus Empfehlungen für die medizinische Anwendung pflanzlicher Arzneimittel ab. Dadurch wird sichergestellt, dass neue wissenschaftliche Erkenntnisse kontinuierlich in die Bewertung einfließen.
Eine zentrale Rolle spielt in Europa die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA). Innerhalb der EMA ist das Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC) für die wissenschaftliche Bewertung pflanzlicher Arzneimittel zuständig. Das HMPC erstellt europäische Pflanzenmonographien, in denen unter anderem Anwendungsgebiete, Dosierungen, Gegenanzeigen, Warnhinweise, Nebenwirkungen und der aktuelle Stand der wissenschaftlichen Evidenz zusammengefasst werden.
In Deutschland übernimmt das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) wichtige Aufgaben bei der Zulassung und Überwachung von Arzneimitteln. Es berücksichtigt die europäischen Vorgaben und überwacht nach der Zulassung weiterhin die Sicherheit pflanzlicher Arzneimittel.
Darüber hinaus veröffentlicht die European Scientific Cooperative on Phytotherapy (ESCOP) wissenschaftliche Monographien, die weltweit als wichtige Referenzwerke gelten. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erstellt Monographien zu ausgewählten Arzneipflanzen und trägt damit zur internationalen wissenschaftlichen Einordnung bei.
Eine weitere wichtige Quelle wissenschaftlicher Informationen ist die Literaturdatenbank PubMed. Sie enthält Millionen medizinischer Fachpublikationen aus internationalen wissenschaftlichen Zeitschriften und dient Forschenden weltweit als Grundlage für systematische Übersichtsarbeiten und Metaanalysen. Viele der Studien, die später von EMA, HMPC oder ESCOP bewertet werden, sind dort veröffentlicht.
Die Bewertung wissenschaftlicher Evidenz ist deshalb kein einmaliger Vorgang. Neue Studien können dazu führen, dass bestehende Empfehlungen bestätigt, ergänzt oder angepasst werden. Moderne Phytotherapie entwickelt sich kontinuierlich weiter und orientiert sich stets am aktuellen Stand der Forschung.
Wichtige Institutionen im Überblick
Die wissenschaftliche Bewertung pflanzlicher Arzneimittel erfolgt durch verschiedene nationale und internationale Institutionen. Sie prüfen Studien, erstellen Monographien und bewerten Qualität, Sicherheit sowie Wirksamkeit pflanzlicher Arzneimittel. Zu den wichtigsten gehören:
Die wissenschaftliche Forschung hat wesentlich dazu beigetragen, dass pflanzliche Arzneimittel heute deutlich besser verstanden werden als noch vor wenigen Jahrzehnten. Moderne Analysemethoden ermöglichen es, Pflanzeninhaltsstoffe genau zu bestimmen, ihre Wirkmechanismen zu untersuchen und standardisierte Extrakte in klinischen Studien zu prüfen. Dadurch lassen sich Nutzen und Risiken wesentlich objektiver bewerten als allein auf Grundlage traditioneller Erfahrungen.
Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass wissenschaftliche Untersuchungen nicht nur die Wirksamkeit, sondern auch mögliche Nebenwirkungen, Gegenanzeigen und Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln erfassen. Diese Erkenntnisse tragen entscheidend dazu bei, pflanzliche Arzneimittel sicher und verantwortungsvoll einzusetzen.
Gleichzeitig stellt die Forschung an Heilpflanzen Wissenschaftler vor besondere Herausforderungen. Pflanzliche Arzneimittel bestehen meist aus komplexen Vielstoffgemischen, deren Zusammensetzung von zahlreichen Faktoren beeinflusst wird. Dazu gehören unter anderem die Pflanzenart, der verwendete Pflanzenteil, Anbau- und Erntebedingungen sowie das jeweilige Herstellungsverfahren. Deshalb können sich selbst Präparate aus derselben Heilpflanze erheblich unterscheiden.
Auch klinische Studien sind häufig schwieriger miteinander vergleichbar als bei Arzneimitteln mit einem einzelnen chemischen Wirkstoff. Unterschiedliche Extrakte, Dosierungen, Studiendauern oder Patientengruppen können zu unterschiedlichen Ergebnissen führen. Fachgremien berücksichtigen deshalb stets die Gesamtheit aller verfügbaren Untersuchungen und bewerten nicht einzelne Studien isoliert.
Darüber hinaus existieren für manche Heilpflanzen bislang nur wenige hochwertige klinische Untersuchungen. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass diese Pflanzen unwirksam sind. Häufig zeigt eine begrenzte Studienlage lediglich, dass weiterer Forschungsbedarf besteht. Umgekehrt ersetzt eine jahrhundertelange traditionelle Anwendung keinen wissenschaftlichen Wirksamkeitsnachweis.
Die moderne Phytotherapie verbindet deshalb zwei wichtige Säulen miteinander: traditionelle Erfahrungen und evidenzbasierte Forschung. Historisches Wissen kann Hinweise auf mögliche Anwendungen liefern, wissenschaftliche Studien prüfen anschließend, ob sich diese unter kontrollierten Bedingungen bestätigen lassen. Erst das Zusammenspiel beider Ansätze ermöglicht eine fundierte medizinische Bewertung pflanzlicher Arzneimittel.
Viele pflanzliche Arzneimittel wurden wissenschaftlich untersucht. Wie gut ihre Wirkung belegt ist, hängt jedoch von der jeweiligen Heilpflanze, dem verwendeten Extrakt und dem vorgesehenen Anwendungsgebiet ab.
Ja. Für zahlreiche pflanzliche Arzneimittel liegen klinische Studien vor. Besonders gut untersucht sind unter anderem Präparate mit Johanniskraut, Ginkgo, Baldrian, Lavendel, Thymian oder Efeu.
Unterschiedliche Extrakte, Herstellungsverfahren, Dosierungen, Studiendauern und Patientengruppen können zu abweichenden Ergebnissen führen. Deshalb beziehen sich wissenschaftliche Aussagen immer auf das konkret untersuchte Präparat.
Nein. Eine traditionelle Anwendung beruht auf langjähriger medizinischer Erfahrung. Sie ersetzt jedoch keinen klinischen Wirksamkeitsnachweis und wird arzneimittelrechtlich gesondert bewertet.
Unabhängige Fachgremien und Arzneimittelbehörden wie EMA, HMPC oder BfArM bewerten die gesamte verfügbare wissenschaftliche Literatur und leiten daraus Empfehlungen für die medizinische Anwendung ab.
Ja. Wissenschaft entwickelt sich kontinuierlich weiter. Neue Forschungsergebnisse können bestehende Bewertungen bestätigen, erweitern oder zu einer Neubewertung einzelner Anwendungsgebiete führen.
Viele pflanzliche Arzneimittel sind heute deutlich besser wissenschaftlich untersucht, als häufig angenommen wird. Zahlreiche Heilpflanzen wurden in Laboruntersuchungen, pharmakologischen Studien, klinischen Studien sowie systematischen Übersichtsarbeiten bewertet. Gleichzeitig zeigt die Forschung, dass sich die wissenschaftliche Evidenz je nach Heilpflanze, Extrakt und Anwendungsgebiet teilweise deutlich unterscheiden kann.
Entscheidend ist daher nicht die Frage, ob pflanzliche Arzneimittel grundsätzlich wissenschaftlich belegt sind, sondern welches Arzneimittel untersucht wurde und für welche Anwendung belastbare wissenschaftliche Daten vorliegen. Moderne Phytopharmaka basieren auf standardisierten Pflanzenextrakten, deren Qualität und Wirksamkeit nach wissenschaftlichen Kriterien bewertet werden. Ergänzt werden diese Erkenntnisse durch die kontinuierliche Arbeit unabhängiger Institutionen wie EMA, HMPC oder BfArM, die neue Forschungsergebnisse regelmäßig in ihre Bewertungen einfließen lassen.
Die moderne Phytotherapie verbindet damit traditionelles Wissen über Heilpflanzen mit den Methoden der evidenzbasierten Medizin. Sie zeigt, dass pflanzliche Arzneimittel weder pauschal als wissenschaftlich bewiesen noch grundsätzlich als unbelegt eingestuft werden können. Vielmehr ist eine differenzierte Betrachtung jedes einzelnen Präparats erforderlich. Genau diese wissenschaftlich fundierte Einordnung ermöglicht einen verantwortungsvollen und sicheren Einsatz pflanzlicher Arzneimittel in der heutigen Gesundheitsversorgung.
Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA)
Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC)
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)
European Scientific Cooperative on Phytotherapy (ESCOP)
Weltgesundheitsorganisation (WHO)
PubMed
Cochrane Library
Fachliteratur zur Pharmakognosie und Phytotherapie
Medizinische Leitlinien und wissenschaftliche Fachgesellschaften
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Umfangreiche wissenschaftliche Literatur
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Plausible Wirkung aufgrund traditioneller Anwendung
Nachweis einer mindestens 30-jährigen medizinischen Verwendung
Registrierung nach den Vorgaben für traditionelle Arzneimittel
Ziel
Grundlage
Besonders aussagekräftig
Bewertung
Ergebnis
Nachweis von Wirksamkeit und Sicherheit eines Arzneimittels
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Ergebnis
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